Die Auswanderung
Am Beginn des 19. Jahrhunderts kehrten viele Württemberger Familien ihrem Land den Rücken. Nach der Lockerung des zuvor erlassenen Ausreiseverbots, brachen viele Familien aus verschiedenen Gründen auf. Diese waren: - politische Gründe - wirtschaftliche Gründe - religiöse Gründe Als begehrte Ziele galten: Amerika, Südosteuropa und Russland. Die Gründungsfamilien von Teplitz reisten hauptsächlich aus religiösen Gründen aus. Meist waren es vermögende Familien die sich dem Chiliasmus (Millenarismus) verschrieben hatten. Sie glaubten an die baldige Wiederkunft Christi, der ein tausendjähriges Friedensreich errichten würde. Diese Wiederkunft sollte bald geschehen und die Gläubigen wollten Vorort sein. Sie glaubten, dass dies in Israel sein würde. Dorthin war eine Ausreise jedoch nicht möglich und so richten sie ihr Augenmerk auf den Kaukasus. In der Nähe des Berges Ararat, auf dem die Arche Noah vermutet wurde, suchten sie ihre Zuflucht um Christus zu erwarten. Das russische Reich, der Kaukasus, war ihr Ausreiseziel. Im Frühjahr 1817, dem Höhepunkt der Ausreisewelle, machten sich auch Chiliasten aus dem Großraum Stuttgart auf den Weg nach Russland. Sie schlossen sich in sogenannten „Harmonien“ zusammen, die von einem gewählten Führer geleitet wurden. Nachdem sich diese Harmonien eine Einreisegenehmigung beim russischen Botschafter in Wien für Russland besorgt hatten, sammelten sie sich zur Abreise in Ulm/Donau. Von dort ging es mit Schiffen den „Ulmer Schachteln“ donauabwärts bis Wien. Weiter mit Kähnen, auch “Zillen“ genannt, Richtung Donaumündung. Der Gesandte Russlands in Wien empfahl den Reisenden den Landweg, jedoch ohne Erfolg. Sie fuhren mit den Kähnen weiter donauabwärts. Bald jedoch erkrankten viele Reisende auf den voll gepferchten Kähnen an Krankheiten. Vor allem das unsaubere Trinkwasser der Donau führte bald zu ersten Todesfällen. Zudem konnten sie an der geplanten Ankunftsstadt Galatz nicht anlegen, weil dort die Pest ausgebrochen war. Sie mussten weiter bis nach Ismail. Dort ordneten die russischen Behörden eine wochenlange Quarantäne an. Auf einer unbewohnten Donauinsel mussten die Auswanderer in Zelten campieren. Wegen vieler Probleme wie unsauberem Trinkwasser, Mangel an Kleidung und Nahrung, fehlenden Arzneimitteln und schlechten Unterkünften brachen Epidemien aus. Diesen fiel ein großer Teil der Reisenden zum Opfer. Nachdem die Quarantäne von den russischen Behörden aufgehoben war, teilten sich die Auswanderer. Achtundneunzig Familien nahmen ein Angebot der russischen Regierung an, sich nur wenige Tagesreisen von der Insel, in einem Gebiet namens Bessarabien anzusiedeln. Die Mehrzahl der Gruppe reiste weiter zum ersehnten Ziel im Osten. Die achtundneunzig Familien, die sich für die Ansiedlung in Bessarabien entschlossen hatten, stammten aus den Württemberger Oberämtern: Urach, Nürtingen, Tübingen, Reutlingen, Nagold, Leonberg, Maulbronn, Kirchheim/Teck, Stuttgart, Schorndorf, Lorch, Backnang, Weinsberg, Böblingen, Rottenburg, Vaihingen, Besigheim, Esslingen, Neufern, Herrenberg, Dornstadt und Bietigheim. Die russische Regierung wies Ihnen ein Gebiet am Flüsschen Kogälnik zu. Sie gründeten die Kolonie Nr. 12, die später den Namen Teplitz erhielt.
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